WHO empfiehlt Neueinstufung von Cannabis

Das Expertenkomitee für Drogenabhängigkeit (ECDD) der WHO hat Anfang des Jahres 2019 eine Empfehlung zur Neueinstufung von Cannabis an die Suchtgiftkommission der UN ausgehändigt, in der umfassend zu einem liberaleren und weniger restriktiven Umgang mit Cannabis und entsprechenden Arzneimittel geraten wird. Diese Empfehlung spielt den Ball zur Suchtgiftkommission, welche in letzter Instanz über die Einstufung von Drogen und Suchtgiftsubstanzen entscheidet.

Die Kategorisierung psychoaktiver Substanzen erfolgt in Übereinstimmung international ratifizierter Konventionen der Vereinten Nationen. Cannabis, sowie einzelne Wirkstoffe der Pflanze und daraus gewonnene Extrakte und Arzneimittel fallen in die Kategorie-Systeme der Konventionen von 1961 und 1971.

In jeweils 4 Kategorien sind die verschiedenen Stoffe eingeteilt nach „Schadenspotenzial“ und „Grad der Kontrolle“. Unter „Schadenspotential“ fallen das Suchtpotenzial, das Missbrauchsrisiko und die Einschätzung des medizinischen sowie therapeutischen Nutzens.

Die Änderungen im Überblick:

1. - Cannabidiol (CBD), sowie Extrakte mit einem THC-Gehalt von unter 0,2%, sollen vollständig dereguliert und frei am Markt erhältlich sein.

2. - Aus der Kategorie IV der Konvention von 1961 sollen alle Cannabisblüten und Harze herausgenommen werden, da diese Kategorie nur die gefährlichsten Stoffe mit wenig bis keinem therapeutischen Nutzen sowie hoher Gefahr des Missbrauchs enthält. (Z.B. Heroin)

3. - THC, sowie das medizinische THC (Dronabinol) sollen vollständig aus der Konvention von 1971 gestrichen werden und gemeinsam mit den Blüten, Blättern und Harzen in allen Formen (Isomeren) in die Kategorie I der Konvention aus 1961 fallen.

4. - Pharmazeutische Präparate, synthetisch oder aus Cannabis, mit einem oder mehreren Zusatzstoffen und aus welchen THC mit rentablen Mitteln nicht gewonnen werden kann, sollen in die Kategorie III der Mittel ohne Missbrauchsrisiko fallen.

Entscheidet sich die Suchtgiftkomission (Commission on Narcotic Drugs - CND) den Empfehlungen der WHO zu folgen, hätte das weitreichende Konsequenzen:

 

CBD würde vollständig dereguliert werden.

 

Bis auf die oben in Punkt 4 beschriebenen medizinischen Präparate würde jegliche Form und Verarbeitung von Cannabis und Cannabinoiden in Kategorie I der Konvention aus 1961 zusammenkommen. Die Kategorie I umfasst solche Produkte und Substanzen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Missbrauch und zur Abhängigkeit, sowie Vorläufer-Stoffe aus denen Drogen produziert werden können. Die Kategorie gibt keine Auskunft über etwaigen therapeutischen und medizinischen Nutzen, spricht diesen aber auch nicht ab.

Die Empfehlungen der WHO führen dazu, den Zugang zu medizinischem Cannabis zu erleichtern ohne gleichzeitig die Verbreitung außerhalb medizinischer Anwendungen zu fördern. Damit wird die therapeutische und medizinische Wirkung von Cannabis offiziell anerkannt, was der Einschätzung der WHO von 1954 dramatisch widerspricht. Damals hieß es noch: „Es sollten Anstrengungen unternommen werden, zur Abschaffung von Cannabis bei allen legitimen medizinischen Praktiken.“

Aufgrund der verspäteten Stellungnahme, welche bereits im Dezember 2018 hätte planmäßig erfolgen sollen, wird sich die Entscheidung des CND bis zur jährlichen Sitzung im März für das Jahr 2019 vermutlich nicht ausgehen, da die Mitgliedsstaaten der UN für einen Kommentar und die Überprüfung der Empfehlungen Zeit benötigen. Sehr wahrscheinlich wird also erst im März 2020 bekannt sein, welche Folgen diese neue Position der WHO in Bezug auf Cannabis haben wird. Es bleibt spannend.

Weiterführende Informationen: https://faaat.net/cannabis/ (inklusive Übersichtstabelle der erwarteten Änderungen)

Der Brief an den Generalsekräter der UN: http://faaat.net/wp-content/uploads/ECDD-cannabis-final-outcome.pdf